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| Wahl |
Titel |
Thema Optimum |
| Gleich |
Alle
Menschen
sind gleich |
Dass alle Menschen gleich wie
Geschwister sind, ist spätestens seit der französischen Revolution
kaum noch zu bestreiten. Sie sind es aber nur, wenn man alles Zufällige
von ihnen abzieht. Was dann übrig bleibt, ist das allen Menschen Gemeinsame,
was die Menschen zu Menschen macht: Ihr Wesen. Dazu gehören Gefühl,
Wille und Verstand. Was diese Vermögen trägt, muss als transzendentale
Frage, welche die Grenzen unserer Erkenntnis berührt oder überschreitet,
dahinstehen. Nennen wir es "das sittliche Subjekt". Aus der Gleichheit
aller Menschen folgt, dass es nicht gut sein kann, einen dem anderen vorzuziehen. |
| Ungleich |
Alle
Menschen
sind ver-
schieden |
Seiner Person nach gleicht
kein Mensch dem anderen. Unter "Person" ist hier die Gestalt gemeint, in
der ein sittliches Subjekt als Mensch in der Welt auftritt. Sie umfasst
alles, was am einzelnen Menschen zufällig ist: das ganze biologische
und psychische System des Menschen samt allen materiellen und informationellen
Beziehungen, die der Mensch zur gemeinschaftlichen Umwelt unterhält.
Jeder Mensch versucht, aus dem ihm Gegebenen das Beste zu machen, doch
keiner kann einem anderen sagen, was für ihn gut ist. Er muss es selbst
herausfinden. Darum ist es gut, wenn der Mensch die Freiheit hat, sein
Leben zu gestalten. |
Indivi-
duum |
Der
einzelne
ist mehr
als die
Gesell-
schaft |
Gewiss sind zwei Menschen
mehr als einer. Was für die Menschen gilt, gilt aber nicht für
die Gesellschaft als solche, denn sie ist nichts weiter als das soziale
System, das die Menschen verbindet. Jeder einzelne Mensch ist mehr als
die ganze menschliche Gesellschaft: Nur der einzelne hat Gefühl, Willen
und Verstand. Diesen Mangel der Gesellschaftssysteme versucht man durch
Hilfskonstruktionen, etwa den "Wählerwillen", zu beheben. Aber eine
Gesellschaft wird durch Ersatzlösungen nicht zum höheren Wesen.
Zwar hat die Gesellschaft als soziales System besondere Eigenschaften,
doch dies rechtfertigt es nicht, den einzelnen Menschen dem System zu opfern. |
| Verstrickt |
Alles
hat sein
Gift |
Den Bedürfnissen aller
Menschen Rechnung zu tragen, ohne jemanden zu benachteiligen oder gar zu
opfern und dabei die Umwelt zu schonen: Allein diese Aufgabe ist schon
kaum zu lösen. Damit nicht genug: Alles was geschieht, hat ein Bündel
von guten und schlechten Wirkungen, die weit in die Zukunft reichen, ja
den Zustand der Welt auf Dauer verändern. Zwar weiß jeder, wie
eine ideale Welt aussehen müsste: Freude, Freiheit, Friede, Wohlstand,
Gesundheit für alle in einer unversehrten Umwelt und noch mehr - aber
niemand hat die Blaupausen, nach der eine Welt, die diese Eigenschaften
auszeichnen, konstruiert sein müsste. Gutes und Schlechtes sind unlösbar
ineinander verstrickt. Die Aufgabe scheint den Menschen maßlos zu
überfordern. |
| Optimal |
Freude
für alle
ist
möglich |
Die Unternehmensforschung hat
schon vor Jahrzehnten ein Modell entwickelt, anhand dessen sich zeigen
und sogar mit mathematischer Exaktheit beschreiben lässt, wie aus
beschränkten Mitteln unter einander widerstreitenden Nebenbedingungen
der höchstmögliche Gewinn erzielt werden kann. Zur Lösung
solcher Optimierungsaufgaben gibt es zahlreiche mathematische Algorithmen
und Simulationsverfahren. Dieses Optimierungsmodell entspricht genau der
Situation der Welt, wo Gut und Schlecht in einem unentwirrbaren Geflecht
ineinander verschlungen sind. Es beweist, dass es einen Zustand gibt, in
dem allem im weiten Universum, was sich freuen kann, ein Höchstmaß
an Freude zuteil wird. Dieser Zustand, das "universale Optimum", ist das
Ziel der Geschichte. |
| Problem |
Die Welt
ist zu
chaotisch
und
komplex |
Im folgenden Text wird sich
zeigen, dass die Welt viel zu chaotisch und komplex ist, als dass man den
Idealzustand der Welt per Computer ermitteln und dann per Gesetz verordnen
könnte. Die Suche nach dem universalen Optimum der Freude ist vielmehr
wie die Suche nach der Wahrheit ein schier unendlicher dynamischer Prozess,
der bestenfalls zu einer Annäherung ans Ziel führen kann. Aber
die Welt ist - auch das wird sich im folgenden zeigen - so beschaffen,
da dieser Prozess erfolgreich sein kann, und zwar desto mehr, je
mehr Menschen das Gute wollen. Das Geheimnis liegt in der Tatsache, dass
die Welt ein sich selbst ordnendes, regelndes und erhaltendes System ist. |
| Beliebig? |
Mit der
Beliebig-
keit der
Moral ist
es vorbei |
Wenn es also unmöglich
ist, hier und jetzt klar zu sagen, was gut oder schlecht sei, ist es dann
nicht doch wieder ganz und gar beliebig, was man tut? Es ist wahr, dass
es bisher keiner Ethik und keinem Normensystem gelungen ist, eine letzte
Begründung zu finden und so der Beliebigkeit zu entgehen. In dem Augenblick
indessen, in dem sich zeigt, dass es ein Ziel, und sei es noch so fern
und nebelhaft, überhaupt gibt, ist es mit der Beliebigkeit ein für
allemal vorbei. Dann kann es nur noch darauf ankommen, alles zu tun, um
dem Ziel so nahe wie möglich zu kommen. Da es geht, ist unser
beherrschendes Thema. |
ds |
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