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\\Notes1\Alles\h_\ms\hyx\Neuronet.sam
Vorbemerkung
Wahrnehmungen liefern ein Bild der Welt, das in der Gedächtnismatrix
des neuronalen Netzwerks im Menschen gespeichert ist.
Allem, was hier über neuronale Netzwerke gesagt wird, sei folgende
Warnung vorausgeschickt: Das neuronale Netzwerk im Gehirn des Menschen
ist unvorstellbar dicht, vielgliedrig und komplex. Noch wichtiger ist die
Tatsache, daß die Vorgänge darin bewußt, das heißt
von Aufmerksamkeit und Gefühl begleitet, sind. Das neuronale Netzwerk
der Informatik kann deshalb nur als Paradigma oder besser als Bild und
Gleichnis fungieren. Was es ist, das da beobachtet und fühlt, weiß
niemand. Ganz werden wir es nie verstehen, weil man ein System nur verstehen
kann, wenn man es transzendiert. Wir können das Gehirn jedoch nicht
transzendieren, weil wir es brauchen, um überhaupt denken zu können.
Wenn wir aber das Gehirn verlassen, hören wir auf zu denken. Die Aussagen
über Denken und Fühlen sind zudem selbst keine wissenschaftlichen
Erkenntnisse, sondern nur deren Deutung mit dem Ziel, ein Denkmodell zu
entwickeln, an dem sich demonstrieren läßt, wie die von jedem
Menschen erlebbaren Denkvorgänge ablaufen könnten. Die Wirklichkeit
kann ganz anders aussehen. Zudem steht die Wissenschaft von den neuronalen
Netzwerken erst am Anfang. - Es handelt sich also bestenfalls um ziemlich
kühne Hypothesen, um Postulate oder gar um bloße Spekulation,
mehr nicht.
Das neuronale Netzwerk läßt sich mit Computern
simulieren.
Straßennetz-Matrix
Man kann sämtliche Verknüpfungen eines Netzwerks, beispielsweise
eines Straßennetzes, getrennt nach vorwärts und rückwärts,
in einer Matrix darstellen und in den einzelnen Kästchen (Zellen oder
Elementen) jeder Verbindung eine bestimmte Eigenschaft zuordnen, etwa die
Entfernung in Kilometern. Da die Entfernung vorwärts und rückwärts
die gleiche ist, bestehen die bekannten Entfernungstabellen meist aus zwei
Dreiecken, eines für die Straßen- und eines für die Bahnkilometer.
Synaptische Stärke als Entfernungen
Ähnlich könnte man das neuronale Netzwerk eines Gehirns darstellen
und die Stärke der synaptischen Verknüpfungen statt der Entfernungen
eintragen. Man müßte sich zuvor allerdings der unmenschlichen
Mühe unterziehen, den elektrischen Widerstand jeder Verknüpfung
zu messen. Dann könnte man die Werte in ein Graphikprogramm eingeben
und den Computer ein 3D-Diagramm zeichnen lassen. Als Ergebnis käme
eine unerhört reichgegliederte Gebirgslandschaft heraus.
Gebirgslandschaft
Diese Gebirgslandschaft spiegelt die unzähligen Wahrnehmungen
wieder, die im Lauf des Lebens auf den betreffenden Menschen eingeströmt
sind. Jede hat ihre Spuren in einem mehr oder minder weiten Bereich der
Landschaft hinterlassen und die Landschaft dadurch mitgestaltet.
Wasserguß-Beispiel
Die Funktionsweise der Matrix kann man sich so vorstellen: Man legt
über die Gebirgslandschaft ein Sieb, dessen Löcher ein bestimmtes
Muster bilden. Dann gießt man Wassser hinein. Die Form des Gebirges
bewirkt, daß das Wasser an einer ganz bestimmten Stelle aus dem Gebirge
herausfließt. Nimmt man nun Siebe mit verschiedenen Mustern (wohlgemerkt:
das Gebirge bleibt gleich!), so findet das Wasser jeweils seine eigene
Austrittsstelle. So kann man daran, an welcher Stelle das Wasser herausfließt,
genau erkennen, durch welches Sieb es auf die Matrix "geregnet" hat. Allerdings
sollte man das Bild nicht überstrapazieren. Keine wirkliche Gebirgslandschaft
wird dieses Kunststück fertigbringen. Nur, die Matrix verhält
sich tatsächlich so, und zwar deshalb, weil sich die einzelnen Elemente
des Eingangsvektors, im Gegensatz zu Regentropfen, gegenseitig beeinflussen.
Eine wirkliche Matrix ist halt keine wirkliche Gebirgslandschaft.
Ort des Gedankenmodells
Eine andere Frage ist die nach dem Ort, an dem das Gedankenmodell gespeichert
ist oder "residiert". Denkbar wäre es, daß ein separater Teil
der Gedächtnismatrix dafür reserviert ist. Für diese These
spricht, daß die meisten Menschen, wenn sie in ihrem "Filmarchiv"
stöbern, ihre Augen unbewußt in eine andere Richtung lenken
als dann, wenn sie sich mit abstrakten Begriffen ihres Gedankenmodells
beschäftigen(1). Denkbar wäre auch, daß das Gedankenmodell
diffus über die Gedächtnismatrix verstreut wäre und das
Filmarchiv überlagerte. Schließlich kann man nicht ausschließen,
daß das begriffliche Denken eine immaterielle Eigenschaft des Bewußtseins
ist und als "Informationspaket" gedacht werden kann. Doch alle Überlegungen
in diesem Absatz sind keine ernstzunehmenden Hypothesen, sondern reinste
Spekulation. Es kann auch alles ganz anders sein.
Das neuronale Netzwerk - nochmals. Transzendenzrest
der Maschine
Netzwerk als Paradigma, Zuordnungsmatrix, Lernfähigkeit
Das Paradigma, das der Hypothese über die Zuordnung von Begriffen
und Mustern zugrunde liegt, ist das neuronale Netzwerk der Informatik.
In diesem Modell ist ein Eingangsvektor, der ein Muster repräsentiert,
einem Ausgangsvektor zugeordnet, der einem Begriff entspricht. Die Zuordnung
geschieht auf dem Wege über eine Matrix, welche die Verbindungen zwischen
den einzelnen Elementen der beiden Vektoren mit Gewichten versieht. Das
Besondere dieser Matrix ist dadurch gekennzeichnet, erstens, daß
durch sie nicht nur eine, sondern viele Zuordnungen dargestellt werden
könnnen, zweitens, daß sie ähnliche (nicht gleiche) Eingangsvektoren
den gleichen Ausgangsvektoren zuordnen kann, und drittens, daß sie
lernfähig ist. Lernfähigkeit bedeutet folgendes: Man hält
die zu verknüpfenden Ein- und Ausgangsvektoren in der Lernphase der
Matrix (gewissermaßen) vor, damit sie die Elemente der beiden Vektoren
miteinander verknüpfen kann. Nach mehrmaligem Lernen behält sie
die Verknüpfungen, so daß sie einen Eingangsvektor in der Weise
"erkennt", daß sie zuverlässig den ihm zugeordneten Ausgangsvektor
ausgibt. Neuronale Netzwerke werden also nicht programmiert, sondern trainiert.
Informatik nur Gleichnis für Gehirn, Mensch transzendiert Computer
Das neuronale Netzwerk im Gehirn des Menschen ist unvorstellbar dicht,
vielgliedrig und komplex. Das nueronale Netzwerk der Informatik kann deshalb
nur als Paradigma oder besser als Bild und Gleichnis fungieren. Was wirklich
geschieht, weiß (noch?) niemand. Ganz werden wir es wohl nie verstehen,
weil man ein System nur verstehen kann, wenn man es transzendiert. Wir
können das Gehirn jedoch nicht transzendieren, weil wir es brauchen,
um überhaupt denken zu können. Wenn wir aber das Gehirn verlassen,
hören wir auf zu denken. Also können wir das Gehirn nicht verstehen.
Funktionalität, Fuzzy sets, Chaos/Vexierbilder, Überlagerung
Dennoch kann die Funktionalität neuronaler Computer viele Hinweise
auf die Funktionen des Gehirns liefern. Man kann auch einem Computer beibringen,
mit unscharfer Logik (Fuzzy sets) Wahrscheinlichkeiten zu berücksichtigen,
wie das Gehirn es tut. Ebenso wie im Gehirn sind die Muster in der Computermatrix
nie deutlich voneinander abgehoben, so daß sich auch dort chaotische
Prozesse oder das Umschlagen von einem stabilen Zustand in einen anderen
ereignen (Vexierbilder) können. Die Systeme überlagern sich gegenseitig:
das haben die Computermatrix und das Gehirn mit dem "wirklichen Leben",
der Realität gemein.
Gehirn als Assoziativspeicher (??? ist das nicht ein schon vergebener
Terminus?)
Im Gehirn kommt noch etwas anderes hinzu: die verschiedenen Muster
sind einander assoziiert, das heißt: Wird ein Muster aufgerufen,
so werden mit ihm auch die assoziierten Muster aktiviert. Dadurch können
wir uns erinnern. Wenn wir uns einen Augenblick in der Vergangenheit vorstellen,
können wir uns von da aus vorwärts, rückwärts
und seitwärts tasten, denn mit dem erinnerten Muster treten auch die
räumlich und zeitlich benachbarten in Erscheinung. In der Psychoanalyse
wird dieser Effekt benutzt, um seelische Strukturen aufzudecken, die psychischen
Störungen zugrunde liegen.
Mit Computern Erinnerung simulieren? Mensch transz. Computer
Ich mag indessen nicht ausschließen, daß neuronale Computer
auch das Erinnern simulieren können. Einer Maschine fehlt aber das
Bewußtsein und mit ihm die Fähigkeit, Wahrheit zu denken und
Freude zu fühlen. Maschinen sind Geschöpfe des begrifflichen
Denkens, das Gedankenmodelle in die Realität projiziert. Wie in der
Mathematik bleiben hier die Begriffe "unter sich". Nichts geschieht, was
nicht erkannt und verstanden ist. Der Mensch transzendiert mithin das System
des Computers. Für den Menschen hat eine Maschine als solche nichts
Transzendentales an sich. Also fehlen ihr auch die transzendentalen Fähigkeiten
des Menschen und damit Gefühl und Verstand.
Ein Rest von Transzendenz in der Maschine
Dennoch bleibt auch der Maschine ein Rest von Transzendenz: Derjenige
nämlich, der jedem Seienden als Teil der Realität, als "Ding
an sich" zukommt. Darum dürfte uns immer verborgen bleiben, ob auch
einer Maschine als vielgliedriges System ein rudimentäres Bewußtsein
eignet, und sei es auch das einer Mikrobe.
Anmerkung:
(1) Diese Beobachtung ist in dem im Rentrop-Verlag erschienenen Buch
des amerikanischen Psychologen, der den Leuten das Feuerlaufen beigebracht
hat, nachzulesen. Das Zitat ist noch zu recherchieren und einzufügen.
Religiöse Anmerkungen
Ende Text
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