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Willibald Hilgers
 © Willibald Hilgers 2000
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Moral Das Gesetz Naturrecht Gerecht Gesetze Gewalt Frieden Dienerin
 
Wahl Titel Thema Moral
Das 
Gesetz
Moral 
kennt 
nur ein 
einziges 
Gesetz
Moral für Gutwillige kennt nur ein Gesetz, das Sittengesetz: "Tu' das Gute, laß' das Schlechte!" Vor ihm allein sind alle gleich, allein dieses ist streng allgemeingültig. Wenn aber ein Gesetzgeber von seinem Produkt behauptet, vor "dem" Gesetz seien alle gleich, nimmt er eine unzulässige Verallgemeinerung vor, um ihm die Würde des Sittengesetzes anzudichten. Einzelnormen sind nur für eine Kategorie ähnlicher Fälle geschaffen, wobei die Besonderheiten des Einzelfalls unbeachtet bleiben müssen. Doch das ist für die Moral zu wenig. Allein das Gewissen kann und muß im Einzelfall entscheiden, was gut ist das heißt die Freude im Ganzen des Universums - vor allem des Menschen selbst und der ihm nahestehenden Mitmenschen - vermehrt. Es ist zwar meistens gut, Gesetze zu befolgen, aber für die Moral genügt es nicht. 
Natur- 
recht
Natur- 
recht 
folgt 
aus dem 
Sitten- 
gesetz
Es gibt jedoch einige Modifikationen des Sittengesetzes, die sich aus den Besonderheiten der menschlichen Natur ergeben. Man kann sie "Naturrecht" nennen. Sie gelten zwar allgemein, aber lediglich für Menschen. Das traditionelle Naturrecht versucht, Normen aus dem Vorbild der Natur zu gewinnen. Naturgesetze beschreiben aber nur, was ist. Was geschehen soll, kann man allein aus dem Sittengesetz ableiten. Tatsachen bilden nicht mehr als den Rahmen, in dem das Gute verwirklicht werden soll. Wenn also Menschen ihrem Wesen nach gleich sind, muß man sie auch so behandeln. Wenn alle des Notwendigen zum Leben bedürfen, kann es nicht gut sein, es ihnen vorzuenthalten. Die Menschenrechte und die wichtigsten Gebote - nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht lügen - sind Normen des Naturrechts. Man darf sie aber nicht verabsolutieren. Sie können nicht stärker sein als das Sittengesetz, auf das sie sich gründen. Dieses verlangt kategorisch, das Gute zu tun, auch wenn es ausnahmsweise gut ist, zu töten! 
Gerecht Keiner 
weiß, 
was für 
einen 
anderen 
gut ist
Wenn alle Menschen ihrem Wesen nach gleich sind, sollte keiner gegenüber dem anderen benachteiligt sein. Das wäre gerecht. Tatsächlich aber sind alle nach ihren geistigen und körperlichen Fähigkeiten sowie ihrer Stellung in der Welt grundverschieden mit Gütern versehen. Doch das ist die halbe Wahrheit. Betrachtet man die innere Welt des Menschen, die ebenso komplex ist wie die äußere, so zeigt sich, daß es der Mensch versteht, aus dem, was er hat, das beste zu machen. Auch das Leben des einzelnen ist ein Optimierungsprozeß, in den kein anderer eingreifen darf, denn niemand weiß, was für einen anderen gut ist. Gerechtigkeit kann mithin nicht heißen, alle gleichermaßen mit unnützem Zeug zu versorgen, das die optimale Lebensgestaltung nur stören kann, sondern jedem das Lebensnotwendige und die Freiheit zu verschaffen, aus dem ihm Zufallenden möglichst viel Freude herauszuholen. Nichts ist ungerechter, als jemanden aus seinen gewachsenen Bindungen zu vertreiben. 
Gesetze Normen 
bestim- 
men die 
Struktur 
einer 
Gesell- 
schaft
Moral ist keine Sammlung von Vorschriften, sondern die Erfüllung des Sittengebots. Moral ist nicht in den Normen, Gerechtigkeit nicht in Gesetzen. Normen und Gesetze drücken die Erwartungen aus, die wir nach dem Gegenseitigkeitsprinzip gegenüber dem Verhalten anderer hegen dürfen. Nur wenn sich Menschen an Normen halten, ist ihr Verhalten vorhersehbar, und nur dann ist ein friedliches Zusammenleben vieler in dieser engen Welt möglich. Darum ist es im allgemeinen auch moralisch gut, Normen zu befolgen. Aber sie begründen keine Moral: Nichts ist schon deshalb gut, weil ein Gesetz es vorschreibt. Umgekehrt: Wie gut das Normensystem einer Gesellschaft ist, hängt von der Moral ihrer Mitglieder ab. Niemand hat moralisch das Recht, Unrecht zu tun, weil es ein Gesetz gebietet. Die Entscheidung, ob man gesellschaftliches Recht verletzen soll, ist meist schwer. Fällen kann sie allein das Gewissen. 
Gewalt Nichts 
ist so 
gut, 
daß es 
Gewalt 
recht- 
fertigt
Die Welt leidet nicht Mangel an Gesetzen, sondern daran, daß sich zu viele nicht an ihr Gewissen halten. Wer seinem Gewissen nicht folgt, der folgt auch keinem Gesetz, es sei denn, er muß. Darum braucht die Gesellschaft die Macht, sich mit dem nötigen Zwang aller Art gegen Rechtsbruch und Gewalt zu wehren. Diese "Rechtswehr" ist wie die Notwehr keine Gewalt, sondern deren genaues Gegenteil, mögen sich ihre Formen auch gleichen. Aber kein Staat hat ein Recht oder gar ein Monopol auf Gewalt. Denn Gewalt ist wohl das größte Übel überhaupt, weil sie Menschen ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Der Staat hat seine Souveränität von den Bürgern. Übt er Gewalt gegen sie, entsteht in der Souveränität eine Lücke, durch die hindurch die Gemeinschaft der Völker zupacken muß, um dem Unrecht zu wehren. Wenn die Menschheit diese Begriffe nicht sehr bald klar unterscheidet, wird sie keine Chance haben... 
Frieden Frieden 
braucht 
Tole- 
ranz
Frieden gibt es nur in einer Welt ohne Gewalt. Aber Gewaltfreiheit kann nicht heißen, Gewalt zu dulden, denn so öffnet man ihr Tür und Tor. Indes, nicht jedes Unrecht ist schon Gewalt, der man mit aller Macht des Rechts widerstehen muß. Gerechtigkeit ist für Menschen nicht zu erreichen. Es gibt ein Maß an Unrecht, mit dem wir leben müssen, weil es unvermeidbar ist. Soll sich die Menschheit nicht in endlosem Gezänk zerfleischen, müssen wir um des lebensnotwendigen Friedens willen eine Menge Unrecht ertragen und dürfen uns nicht gleich mit allen Mitteln, womöglich bis zum Exzeß, zur Wehr setzen. Das kann aber nicht bedeuten: "Wenn einer deine Frau erschlägt, halte ihm auch deine Kinder hin und vergiß nicht, dich selbst als Mordopfer anzubieten!" Denn der Gewalt sollte man mutig entgegentreten und sie nicht auch noch fördern. 
Dienerin Moral 
ist die 
treueste 
Dienerin 
der 
Freude
Viele halten Moral für eine Sammlung von Vorschriften, die verbieten, was Freude macht. Das ist eine grobe Verkennung, denn eine Norm, die Freude verbietet, kann nicht moralisch sein. Moral ist nicht die Widersacherin der Freude, sondern ihre treueste Dienerin. Gewiß kommt auch eine Moral der Freude nicht ohne Beschränkungen aus, doch sie beschränkt Freude nur da, wo die Freude des einen über Gebühr auf Kosten anderer geht und so die Freude im Ganzen mindert. Wenn eine Vorschrift Freude verbietet, kann man so gut wie sicher sein, daß sie das Werk von irgendwelchen Feinden der Freude ist. Da Normen das Verhalten von Menschen vorhersehbar machen, bilden sie die Strukturen einer Gesellschaft oder einer ihrer Untergruppen. Sie spiegeln deren Denkweisen und Machtverhältnisse wider. Darum gibt es viele Normen, die nicht der Freude dienen, sondern dazu, den Einfluß von Glaubenssystemen und Privilegierten zu festigen. 
 
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