|
| Wahl |
Titel |
Thema Moral |
Das
Gesetz |
Moral
kennt
nur ein
einziges
Gesetz |
Moral für Gutwillige
kennt nur ein Gesetz, das Sittengesetz: "Tu' das Gute, laß' das Schlechte!"
Vor ihm allein sind alle gleich, allein dieses ist streng allgemeingültig.
Wenn aber ein Gesetzgeber von seinem Produkt behauptet, vor "dem" Gesetz
seien alle gleich, nimmt er eine unzulässige Verallgemeinerung vor,
um ihm die Würde des Sittengesetzes anzudichten. Einzelnormen sind
nur für eine Kategorie ähnlicher Fälle geschaffen, wobei
die Besonderheiten des Einzelfalls unbeachtet bleiben müssen. Doch
das ist für die Moral zu wenig. Allein das Gewissen kann und muß
im Einzelfall entscheiden, was gut ist das heißt die Freude im Ganzen
des Universums - vor allem des Menschen selbst und der ihm nahestehenden
Mitmenschen - vermehrt. Es ist zwar meistens gut, Gesetze zu befolgen,
aber für die Moral genügt es nicht. |
Natur-
recht |
Natur-
recht
folgt
aus dem
Sitten-
gesetz |
Es gibt jedoch einige Modifikationen
des Sittengesetzes, die sich aus den Besonderheiten der menschlichen Natur
ergeben. Man kann sie "Naturrecht" nennen. Sie gelten zwar allgemein, aber
lediglich für Menschen. Das traditionelle Naturrecht versucht, Normen
aus dem Vorbild der Natur zu gewinnen. Naturgesetze beschreiben aber nur,
was ist. Was geschehen soll, kann man allein aus dem Sittengesetz ableiten.
Tatsachen bilden nicht mehr als den Rahmen, in dem das Gute verwirklicht
werden soll. Wenn also Menschen ihrem Wesen nach gleich sind, muß
man sie auch so behandeln. Wenn alle des Notwendigen zum Leben bedürfen,
kann es nicht gut sein, es ihnen vorzuenthalten. Die Menschenrechte und
die wichtigsten Gebote - nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen,
nicht lügen - sind Normen des Naturrechts. Man darf sie aber nicht
verabsolutieren. Sie können nicht stärker sein als das Sittengesetz,
auf das sie sich gründen. Dieses verlangt kategorisch, das Gute zu
tun, auch wenn es ausnahmsweise gut ist, zu töten! |
| Gerecht |
Keiner
weiß,
was für
einen
anderen
gut ist |
Wenn alle Menschen ihrem Wesen
nach gleich sind, sollte keiner gegenüber dem anderen benachteiligt
sein. Das wäre gerecht. Tatsächlich aber sind alle nach ihren
geistigen und körperlichen Fähigkeiten sowie ihrer Stellung in
der Welt grundverschieden mit Gütern versehen. Doch das ist die halbe
Wahrheit. Betrachtet man die innere Welt des Menschen, die ebenso komplex
ist wie die äußere, so zeigt sich, daß es der Mensch versteht,
aus dem, was er hat, das beste zu machen. Auch das Leben des einzelnen
ist ein Optimierungsprozeß, in den kein anderer eingreifen darf,
denn niemand weiß, was für einen anderen gut ist. Gerechtigkeit
kann mithin nicht heißen, alle gleichermaßen mit unnützem
Zeug zu versorgen, das die optimale Lebensgestaltung nur stören kann,
sondern jedem das Lebensnotwendige und die Freiheit zu verschaffen, aus
dem ihm Zufallenden möglichst viel Freude herauszuholen. Nichts ist
ungerechter, als jemanden aus seinen gewachsenen Bindungen zu vertreiben. |
| Gesetze |
Normen
bestim-
men die
Struktur
einer
Gesell-
schaft |
Moral ist keine Sammlung von
Vorschriften, sondern die Erfüllung des Sittengebots. Moral ist nicht
in den Normen, Gerechtigkeit nicht in Gesetzen. Normen und Gesetze drücken
die Erwartungen aus, die wir nach dem Gegenseitigkeitsprinzip gegenüber
dem Verhalten anderer hegen dürfen. Nur wenn sich Menschen an Normen
halten, ist ihr Verhalten vorhersehbar, und nur dann ist ein friedliches
Zusammenleben vieler in dieser engen Welt möglich. Darum ist es im
allgemeinen auch moralisch gut, Normen zu befolgen. Aber sie begründen
keine Moral: Nichts ist schon deshalb gut, weil ein Gesetz es vorschreibt.
Umgekehrt: Wie gut das Normensystem einer Gesellschaft ist, hängt
von der Moral ihrer Mitglieder ab. Niemand hat moralisch das Recht, Unrecht
zu tun, weil es ein Gesetz gebietet. Die Entscheidung, ob man gesellschaftliches
Recht verletzen soll, ist meist schwer. Fällen kann sie allein das
Gewissen. |
| Gewalt |
Nichts
ist so
gut,
daß es
Gewalt
recht-
fertigt |
Die Welt leidet nicht Mangel
an Gesetzen, sondern daran, daß sich zu viele nicht an ihr Gewissen
halten. Wer seinem Gewissen nicht folgt, der folgt auch keinem Gesetz,
es sei denn, er muß. Darum braucht die Gesellschaft die Macht, sich
mit dem nötigen Zwang aller Art gegen Rechtsbruch und Gewalt zu wehren.
Diese "Rechtswehr" ist wie die Notwehr keine Gewalt, sondern deren genaues
Gegenteil, mögen sich ihre Formen auch gleichen. Aber kein Staat hat
ein Recht oder gar ein Monopol auf Gewalt. Denn Gewalt ist wohl das größte
Übel überhaupt, weil sie Menschen ihrer Lebensgrundlagen beraubt.
Der Staat hat seine Souveränität von den Bürgern. Übt
er Gewalt gegen sie, entsteht in der Souveränität eine Lücke,
durch die hindurch die Gemeinschaft der Völker zupacken muß,
um dem Unrecht zu wehren. Wenn die Menschheit diese Begriffe nicht sehr
bald klar unterscheidet, wird sie keine Chance haben... |
| Frieden |
Frieden
braucht
Tole-
ranz |
Frieden gibt es nur in einer
Welt ohne Gewalt. Aber Gewaltfreiheit kann nicht heißen, Gewalt zu
dulden, denn so öffnet man ihr Tür und Tor. Indes, nicht jedes
Unrecht ist schon Gewalt, der man mit aller Macht des Rechts widerstehen
muß. Gerechtigkeit ist für Menschen nicht zu erreichen. Es gibt
ein Maß an Unrecht, mit dem wir leben müssen, weil es unvermeidbar
ist. Soll sich die Menschheit nicht in endlosem Gezänk zerfleischen,
müssen wir um des lebensnotwendigen Friedens willen eine Menge Unrecht
ertragen und dürfen uns nicht gleich mit allen Mitteln, womöglich
bis zum Exzeß, zur Wehr setzen. Das kann aber nicht bedeuten: "Wenn
einer deine Frau erschlägt, halte ihm auch deine Kinder hin und vergiß
nicht, dich selbst als Mordopfer anzubieten!" Denn der Gewalt sollte man
mutig entgegentreten und sie nicht auch noch fördern. |
| Dienerin |
Moral
ist die
treueste
Dienerin
der
Freude |
Viele halten Moral für
eine Sammlung von Vorschriften, die verbieten, was Freude macht. Das ist
eine grobe Verkennung, denn eine Norm, die Freude verbietet, kann nicht
moralisch sein. Moral ist nicht die Widersacherin der Freude, sondern ihre
treueste Dienerin. Gewiß kommt auch eine Moral der Freude nicht ohne
Beschränkungen aus, doch sie beschränkt Freude nur da, wo die
Freude des einen über Gebühr auf Kosten anderer geht und so die
Freude im Ganzen mindert. Wenn eine Vorschrift Freude verbietet, kann man
so gut wie sicher sein, daß sie das Werk von irgendwelchen Feinden
der Freude ist. Da Normen das Verhalten von Menschen vorhersehbar machen,
bilden sie die Strukturen einer Gesellschaft oder einer ihrer Untergruppen.
Sie spiegeln deren Denkweisen und Machtverhältnisse wider. Darum gibt
es viele Normen, die nicht der Freude dienen, sondern dazu, den Einfluß
von Glaubenssystemen und Privilegierten zu festigen. |
|
^
^
^
^
^
^
^
^
^
^ |