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| Wahl |
Titel |
Thema Gut |
| Freiheit |
Der
Mensch
ist frei |
Der Mensch als sittliches
Subjekt ist frei . Niemand, nicht einmal Gott, zwingt ihn zu irgendetwas.
Der Mensch als Person hingegen unterliegt mannigfachen Zwängen. Trotzdem
stehen ihm weite Spielräume offen, das heißt er hat zahlreiche
Möglichkeiten, unter denen er wählen kann. Für welche von
ihnen soll er sich entscheiden? Das ist die Frage aller Fragen, denn selbst
die Frage, welche Fragen gestellt werden sollen, fordert schon eine Entscheidung. |
| Freude |
Freude
ist der
Sinn des
Lebens |
Ohne die Freude wäre die
Existenz der Welt überhaupt nicht zu rechtfertigen. Das Leben des
Menschen ist mit viel Schweiß und Tränen, aber mit wenig Freude
erfüllt. Doch dieses Wenige macht, dass der Mensch am Leben hängt.
Dankbarkeit ist, sich noch an der bloßen Erinnerung zu freuen. Wer
auch das nicht mehr vermag, ist reif für den Selbstmord. Trotzdem
mochte angesichts der vielen Übel niemand glauben, dass Freude der
Sinn des Lebens sei. Ja Freude und Moral erschienen als unversöhnliche
Gegensätze. Erst die Ideen der Selbstorganisation komplexer Systeme
und der Optimierung einander widerstreitender Bestrebungen erlauben es,
der Freude den gebührenden Rang in der Moral zuzuweisen.
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| Sitte |
Alle
Wesen
streben
nach
Freude |
Ob überhaupt und wie ein
anderer Mensch, ein anderes Lebewesen oder die unbelebte Materie fühlen,
kann, genau genommen, niemand wissen. Es bleibt nur ein Analogieschluss:
Da alle Menschen Kinder der gleichen Evolution sind und viele Ähnlichkeiten
aufweisen, kann jeder von sich auf andere schließen und vermuten,
dass alle Menschen ähnlich empfinden. Diesen Analogieschluss müssen
wir bis zum Beweis des Gegenteils auch auf Tiere, vielleicht sogar auf
alle Lebewesen, ja selbst auf die Materie ausdehnen. Wenn ich selbst nach
Freude strebe, muss ich also erwarten, dass andere Menschen und - je nach
dem Maß ihrer Ähnlichkeit auch andere Wesen - es ebenfalls tun.
Sitte ist, was - nahezu - alle tun. Nach Freude zu streben, ist folglich
Sitte. |
| Böse |
Gut -
Schlecht
-/-
Gut -
Böse |
"Gut" bezeichnet das Erwünschte,
Erwartete, zu Bejahende. "Schlecht" ist das Gegenteil von "Gut". Hat man
erst das Streben nach Freude als Sinn und Ziel des Lebens, der Menschen
und der Welt ausgemacht, so ist es offensichtlich, dass nur gut sein kann,
was dieses allgemeine Streben fördert, und schlecht sein muss, was
ihm schadet. "Schlecht" wird oft mit "Böse" gleichgesetzt. Das führt
zu Missverständnissen. Viel Gutes geschieht in Ausführung eines
Plans, hinter dem ein böser Wille steckt. Umgekehrt ist auch ein gutes
Vorhaben unlöslich mit Schlechtem verknüpft. Böse sollte
man deshalb nur den Willen oder die Tat eines sittlichen Subjekts, das
auf etwas Schlechtes abzielt, nennen. |
| Gesetz |
Das
Sitten-
gesetz
gibt der
Mensch
sich
selbst |
Jeder erwartet, dass jeder das
Gute tut und das Schlechte lässt, und jeder weiß, dass jeder
es von ihm erwartet. Das Sittengesetz lautet also: Tu das Gute, lass das
Schlechte! Wenn alle nach Freude streben, ist es im Sinne aller, dass jeder
das Streben nach Freude tatkräftig unterstützt. Doch das allein
genügt nicht, um die Erwartung, das Gute zu tun und das Schlechte
zu unterlassen, in den Rang eines allgemeingültigen Sittengesetzes
zu erheben. Nur der einzelne Mensch je für sich allein ist dazu imstande.
Der Mensch als sittliches Subjekt ist frei und niemand zwingt ihn, dem
Sittengebot zu folgen. Wenn er sich trotzdem daran hält, handelt er
auf Grund einer Selbstverpflichtung. |
| Wille |
Gut sein
zu wollen
ist ver-
nünftig |
Doch warum sollte der Mensch
gut sein wollen? Gut zu sein, ist das Natürlichste von der Welt, weil
es vernünftig ist. Diese Antwort ergibt sich unmittelbar aus der Gegenfrage:
"Warum nicht?" Da wir alle Freude wollen, setzte ich mich mit mir selbst
und allen anderen in Widerspruch, wenn ich gegen die Freude handelte. Es
ist darum nicht zu verstehen, warum in aller Welt überhaupt ein Mensch
böse sein mag. Dennoch ist die Welt voller Übel und Bosheit,
weil die Freude des einen oft mit dem Leid des anderen verbunden ist und
es Gewalt, die unbegreifliche Lust am Quälen und Zerstören, gibt.
Sie ist das Übel, das keine Rechtfertigung kennt. |
| Strafe |
Wer gegen
die Freude
sündigt,
trägt die
Folgen |
Wer sich an der Freude versündigt,
weil er seine eigene Freude auf Kosten anderer oder zu Lasten des Gemeinwohls
sucht oder gar der Lust an der Gewalt, am Quälen und Zerstören
nachgibt, fordert damit die Gegenwehr der Geschädigten heraus. Darum
gilt das Gegenseitigkeitsprinzip, die "Goldene Regel der Moral": "Was du
nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu!" Wer
Ansehen und Selbstachtung gewinnen will, muss sich daran halten. Anderenfalls
treffen ihn die Folgen. Bestraft werden kann nur, wer sich selbst dem Sittengesetz
verpflichtet hat. Den Böswilligen treffen nur die Folgen, aber sie
können schlimmer sein als jede Strafe. |
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