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  Willibald Hilgers
© Willibald Hilgers 2000
Mut zur Freude
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Gut Freiheit Freude Sitte Böse Gesetz Wille Strafe
 
Wahl Titel Thema Gut
Freiheit Der 
Mensch 
ist frei
Der Mensch als sittliches Subjekt ist frei . Niemand, nicht einmal Gott, zwingt ihn zu irgendetwas. Der Mensch als Person hingegen unterliegt mannigfachen Zwängen. Trotzdem stehen ihm weite Spielräume offen, das heißt er hat zahlreiche Möglichkeiten, unter denen er wählen kann. Für welche von ihnen soll er sich entscheiden? Das ist die Frage aller Fragen, denn selbst die Frage, welche Fragen gestellt werden sollen, fordert schon eine Entscheidung. 
Freude Freude 
ist der 
Sinn des 
Lebens
Ohne die Freude wäre die Existenz der Welt überhaupt nicht zu rechtfertigen. Das Leben des Menschen ist mit viel Schweiß und Tränen, aber mit wenig Freude erfüllt. Doch dieses Wenige macht, dass der Mensch am Leben hängt. Dankbarkeit ist, sich noch an der bloßen Erinnerung zu freuen. Wer auch das nicht mehr vermag, ist reif für den Selbstmord. Trotzdem mochte angesichts der vielen Übel niemand glauben, dass Freude der Sinn des Lebens sei. Ja Freude und Moral erschienen als unversöhnliche Gegensätze. Erst die Ideen der Selbstorganisation komplexer Systeme und der Optimierung einander widerstreitender Bestrebungen erlauben es, der Freude den gebührenden Rang in der Moral zuzuweisen. 
Sitte Alle 
Wesen 
streben 
nach 
Freude
Ob überhaupt und wie ein anderer Mensch, ein anderes Lebewesen oder die unbelebte Materie fühlen, kann, genau genommen, niemand wissen. Es bleibt nur ein Analogieschluss: Da alle Menschen Kinder der gleichen Evolution sind und viele Ähnlichkeiten aufweisen, kann jeder von sich auf andere schließen und vermuten, dass alle Menschen ähnlich empfinden. Diesen Analogieschluss müssen wir bis zum Beweis des Gegenteils auch auf Tiere, vielleicht sogar auf alle Lebewesen, ja selbst auf die Materie ausdehnen. Wenn ich selbst nach Freude strebe, muss ich also erwarten, dass andere Menschen und - je nach dem Maß ihrer Ähnlichkeit auch andere Wesen - es ebenfalls tun. Sitte ist, was - nahezu - alle tun. Nach Freude zu streben, ist folglich Sitte. 
Böse Gut - 
Schlecht 
-/- 
Gut - 
Böse
"Gut" bezeichnet das Erwünschte, Erwartete, zu Bejahende. "Schlecht" ist das Gegenteil von "Gut". Hat man erst das Streben nach Freude als Sinn und Ziel des Lebens, der Menschen und der Welt ausgemacht, so ist es offensichtlich, dass nur gut sein kann, was dieses allgemeine Streben fördert, und schlecht sein muss, was ihm schadet. "Schlecht" wird oft mit "Böse" gleichgesetzt. Das führt zu Missverständnissen. Viel Gutes geschieht in Ausführung eines Plans, hinter dem ein böser Wille steckt. Umgekehrt ist auch ein gutes Vorhaben unlöslich mit Schlechtem verknüpft. Böse sollte man deshalb nur den Willen oder die Tat eines sittlichen Subjekts, das auf etwas Schlechtes abzielt, nennen. 
Gesetz Das 
Sitten- 
gesetz 
gibt der 
Mensch 
sich 
selbst
Jeder erwartet, dass jeder das Gute tut und das Schlechte lässt, und jeder weiß, dass jeder es von ihm erwartet. Das Sittengesetz lautet also: Tu das Gute, lass das Schlechte! Wenn alle nach Freude streben, ist es im Sinne aller, dass jeder das Streben nach Freude tatkräftig unterstützt. Doch das allein genügt nicht, um die Erwartung, das Gute zu tun und das Schlechte zu unterlassen, in den Rang eines allgemeingültigen Sittengesetzes zu erheben. Nur der einzelne Mensch je für sich allein ist dazu imstande. Der Mensch als sittliches Subjekt ist frei und niemand zwingt ihn, dem Sittengebot zu folgen. Wenn er sich trotzdem daran hält, handelt er auf Grund einer Selbstverpflichtung. 
Wille Gut sein 
zu wollen 
ist ver- 
nünftig
Doch warum sollte der Mensch gut sein wollen? Gut zu sein, ist das Natürlichste von der Welt, weil es vernünftig ist. Diese Antwort ergibt sich unmittelbar aus der Gegenfrage: "Warum nicht?" Da wir alle Freude wollen, setzte ich mich mit mir selbst und allen anderen in Widerspruch, wenn ich gegen die Freude handelte. Es ist darum nicht zu verstehen, warum in aller Welt überhaupt ein Mensch böse sein mag. Dennoch ist die Welt voller Übel und Bosheit, weil die Freude des einen oft mit dem Leid des anderen verbunden ist und es Gewalt, die unbegreifliche Lust am Quälen und Zerstören, gibt. Sie ist das Übel, das keine Rechtfertigung kennt. 
Strafe Wer gegen 
die Freude 
sündigt, 
trägt die 
Folgen
Wer sich an der Freude versündigt, weil er seine eigene Freude auf Kosten anderer oder zu Lasten des Gemeinwohls sucht oder gar der Lust an der Gewalt, am Quälen und Zerstören nachgibt, fordert damit die Gegenwehr der Geschädigten heraus. Darum gilt das Gegenseitigkeitsprinzip, die "Goldene Regel der Moral": "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu!" Wer Ansehen und Selbstachtung gewinnen will, muss sich daran halten. Anderenfalls treffen ihn die Folgen. Bestraft werden kann nur, wer sich selbst dem Sittengesetz verpflichtet hat. Den Böswilligen treffen nur die Folgen, aber sie können schlimmer sein als jede Strafe.
 
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