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Willibald Hilgers
 © Willibald Hilgers 2000
Mut zur Freude
Überblick Gut Optimum Chaos Ordnung Moral Feinde Freude
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Freude Gut Optimum Chaos Ordnung Moral Feinde Freude
Wahl Titel Thema Freude
Gut Gut ist 
alles, 
was 
Freude 
macht
Was gibt es Freudigeres als die Erkenntnis, daß es die Freude ist, worauf die Welt zielt?! Anstrengungen, Entbehrungen, Verzicht, Züchtigungen und Leiden sind keineswegs der wesentliche Inhalt der Moral. Sie können zwar unumgänglich werden, wenn es darum geht, das Recht der Freude gegen Widrigkeiten und Feinde in und außer uns durchzusetzen, aber sie sind allenfalls Mittel, niemals Zweck. Leid kann nur Antrieb sein, das Gute zu tun und das Schlechte mit aller Kraft zu bekämpfen. Wenn auch Elend, Schmerz und Leid nicht aus der Welt zu schaffen sind, so können wir sie doch dadurch überwinden, daß wir mit allen Kräften Freude mehren und Leid mindern, wo immer wir ihm begegnen. Selbst im größten Leid ist das Leben noch lebenswert, sofern dem Leid nur genug Freude gegenübersteht. . 
Optimum Freude 
für je- 
den 
ein- 
zelnen
Groß ist auch die Freude darüber, daß ich selbst, ebenso wie jeder andere, so viel Freude wie möglich erleben darf. Es ist nicht so, wie Kant meinte, daß in der Moral nur die Anstrengung zähle und nichts, was aus Neigung geschehe. Anstrengung, Verzicht und Ertragen von Schmerzen sind aller Ehren wert, aber kein Gewinn für die Welt, wenn sie nicht zur Mehrung der Freude, der eigenen und anderer, beitragen. Moralisch zählt aber nur die Freude, die nicht über Gebühr auf Kosten anderer geht. Alles in allem ist das Leben dem Menschen als ein Optimierungsprozeß aufgegeben, in dem er das Beste für sich und andere erreichen soll, und der als integrierender Bestandteil in den den Prozeß der universalen Optimierung eingebettet ist. 
Chaos Die 
Welt 
ist 
kom- 
plex 
und 
kontin- 
gent
Es ist beglückend, daß unsere Welt keine Maschine ist wie ein Uhrwerk oder Computer. Nichts ist von Ewigkeit her festgelegt, alles entwickelt sich historisch von Augenblick zu Augenblick aus dem komplexen Gesamtzusammenhang aller Dinge. Das eröffnet uns weite Spielräume zur Mitgestaltung der Welt. Dadurch erscheint uns die Welt zwar chaotisch. Kein Mensch kann die Zukunft voraussehen. Es gibt keinen Bauplan der idealen Welt und die Wirklichkeit ist nicht die beste aller denkbaren Welten. Aber es gibt auch keinen Plan, der uns auf Dauer zu Sklaven fremder Zwecke machen könnte. Wir können viel für uns selbst und unsere Mitwelt tun. Letztlich hat immer nur der einzelne Mensch (in den Grenzen, die ihm der Gesamtzusammenhang aller Dinge setzt) die Macht - und die Verantwortung. Die Natur braucht die Dienste des nach dem Guten strebenden Menschen. Aber keine Willkürherrschaft. 
Ordnung Die 
Welt 
ordnet 
sich 
selbst
Wie beruhigend, daß wir uns auf die Welt, die Natur und sogar die Gesellschaft verlassen können! Wir brauchen uns nicht in Sorgen zu verzehren, können die Dinge auf uns zu kommen und unsere Entscheidungen reifen lassen, ohne ängstlich planen und kontrollieren zu müssen. Die Welt ist kein Chaos, das unserer alles lenkenden Hand bedürfte. Sie hat uns ohne unser Zutun hervorgebracht, sie trägt und erhält uns, weil sie als autopoietisches System ihre tragenden Strukturen selbst erzeugt. Wir müssen nur in einem engen überschaubaren Rahmen planen, um die dümmsten Fehler zu vermeiden. Mehr ist nicht möglich. Gewiß überraschen uns Unglücke und Katastrophen, aber sie geschähen selbst dann, wenn wir uns zu Sklaven der Sicherheit machten. Die Welt ist viel zu komplex, um sie in den Griff zu bekommen. Darum ist es sinnlos, es dennoch zu versuchen. Es ginge auf Kosten der Freude. 
Moral Moral 
ist für 
die 
Freude 
da
Wie das Sprengen von Fesseln wirkt die Erkenntnis, daß der Mensch frei ist, das Gute zu tun, der Freude zu dienen und dabei allein seinem Gewissen zu folgen. Der Freude zu dienen ist ein Akt der Liebe, denn Lieben heißt Freude schenken und selbst dabei Freude zu haben. Liebe ist die ergiebigste Quelle der Freude. Ein kluger Denker hat gesagt: "Liebe! Dann tu, was du willst." Kein Gesetz darf uns daran hindern. Freilich sind Gesetze und Normen nicht ohne Bedeutung für die Moral. Im Gegenteil: Die Gesetze der Gesellschaft sind die Bedingungen unserer gesellschaftlichen Existenz eben so wie die Gesetze der Kausalität die Bedingungen unserer materiellen. Sie bilden den Rahmen der gegebenen Tatsachen, in dem sich jede sittliche Entscheidung bewegt. Nur, Normen können das Gewissen nicht binden. Indes: Das Gewissen kann auch verlangen, die Folgen eines Verstoßes gegen Gesetze auf sich zu nehmen. 
Feinde Die 
Feinde 
sind 
macht- 
los
Wir dürfen uns freuen wie die Könige: Die Macht hat immer nur der einzelne. Es ist aussichtslos, die Verhältnisse zu bessern, wenn sich die Menschen nicht selbst ändern. Das erhebt jeden von uns zum Souverän, verbaut uns aber auch den bequemen Weg, die Verantwortung auf Politik, Wirtschaft, Medien und dergleichen abzuschieben und selbst zu bleiben, wie man ist. Die Mächtigen haben nur die Macht, die wir ihnen überlassen. Freilich sind die Möglichkeiten des einzelnen eng begrenzt. Das macht den Menschen geneigt, sich mit anderen zusammen zu rotten im Aberglauben, man könne das Gute nur mit Gewalt erzwingen, wobei man Rechtsmacht mit Gewalt verwechselt. Hinter jeder Gewalttat, die nicht bloß ein gemeiner krimineller Akt ist, steckt diese Illusion. Doch Gewalt bringt nie etwas Gutes, ja sie ist das größte Übel überhaupt. Es wäre so leicht, die Gewalt in der Welt zu überwinden: Man müßte nur endlich begreifen, daß der Glaube an die Gewalt ein Aberglaube ist. 
Freude Das Ende 
von al- 
lem ist 
Freude
Denken und Wahrnehmung des Menschen sind wie in eine Kapsel eingeschlossen, so daß wir nicht wissen können, ob außerhalb etwas existiert. Wir müssen uns entscheiden, doch gleich, was wir wählen, jede Wahl ist ein Glaubensakt. Das heißt: Auch der strengste Wissenschaftler darf glauben. Und: Unglaube ist keine wissenschaftliche Tugend. Die theistischen Religionen lehren, daß ein persönlicher Gott existiere und der Mensch im Kern ein gottähnliches Individuum sei. Die christliche lehrt zudem, daß Gott sich dem Leiden als Mensch unterworfen und den Tod überwunden habe - ein Gedanke von überwältigender Konsequenz. Andererseits gibt es Menschen, die es für unehrenhaft halten, den Verlockungen der Religion nachzugeben. Es grenzt schon an Vermessenheit, diesen Stolz lebenslang durchzuhalten. Wieviel beglückender klingt da die christliche Botschaft: "Ostern gibt die Gewißheit, daß das Ende von allem nur Freude, unermeßliche Freude sein kann." 
 
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