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| Wahl |
Titel |
Thema Freude |
| Gut |
Gut ist
alles,
was
Freude
macht |
Was gibt es Freudigeres als die
Erkenntnis, daß es die Freude ist, worauf die Welt zielt?! Anstrengungen,
Entbehrungen, Verzicht, Züchtigungen und Leiden sind keineswegs der
wesentliche Inhalt der Moral. Sie können zwar unumgänglich werden,
wenn es darum geht, das Recht der Freude gegen Widrigkeiten und Feinde
in und außer uns durchzusetzen, aber sie sind allenfalls Mittel,
niemals Zweck. Leid kann nur Antrieb sein, das Gute zu tun und das Schlechte
mit aller Kraft zu bekämpfen. Wenn auch Elend, Schmerz und Leid nicht
aus der Welt zu schaffen sind, so können wir sie doch dadurch überwinden,
daß wir mit allen Kräften Freude mehren und Leid mindern, wo
immer wir ihm begegnen. Selbst im größten Leid ist das Leben
noch lebenswert, sofern dem Leid nur genug Freude gegenübersteht.
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| Optimum |
Freude
für je-
den
ein-
zelnen |
Groß ist auch die Freude
darüber, daß ich selbst, ebenso wie jeder andere, so viel Freude
wie möglich erleben darf. Es ist nicht so, wie Kant meinte, daß
in der Moral nur die Anstrengung zähle und nichts, was aus Neigung
geschehe. Anstrengung, Verzicht und Ertragen von Schmerzen sind aller Ehren
wert, aber kein Gewinn für die Welt, wenn sie nicht zur Mehrung der
Freude, der eigenen und anderer, beitragen. Moralisch zählt aber nur
die Freude, die nicht über Gebühr auf Kosten anderer geht. Alles
in allem ist das Leben dem Menschen als ein Optimierungsprozeß aufgegeben,
in dem er das Beste für sich und andere erreichen soll, und der als
integrierender Bestandteil in den den Prozeß der universalen Optimierung
eingebettet ist. |
| Chaos |
Die
Welt
ist
kom-
plex
und
kontin-
gent |
Es ist beglückend, daß
unsere Welt keine Maschine ist wie ein Uhrwerk oder Computer. Nichts ist
von Ewigkeit her festgelegt, alles entwickelt sich historisch von Augenblick
zu Augenblick aus dem komplexen Gesamtzusammenhang aller Dinge. Das eröffnet
uns weite Spielräume zur Mitgestaltung der Welt. Dadurch erscheint
uns die Welt zwar chaotisch. Kein Mensch kann die Zukunft voraussehen.
Es gibt keinen Bauplan der idealen Welt und die Wirklichkeit ist nicht
die beste aller denkbaren Welten. Aber es gibt auch keinen Plan, der uns
auf Dauer zu Sklaven fremder Zwecke machen könnte. Wir können
viel für uns selbst und unsere Mitwelt tun. Letztlich hat immer nur
der einzelne Mensch (in den Grenzen, die ihm der Gesamtzusammenhang aller
Dinge setzt) die Macht - und die Verantwortung. Die Natur braucht die Dienste
des nach dem Guten strebenden Menschen. Aber keine Willkürherrschaft. |
| Ordnung |
Die
Welt
ordnet
sich
selbst |
Wie beruhigend, daß wir
uns auf die Welt, die Natur und sogar die Gesellschaft verlassen können!
Wir brauchen uns nicht in Sorgen zu verzehren, können die Dinge auf
uns zu kommen und unsere Entscheidungen reifen lassen, ohne ängstlich
planen und kontrollieren zu müssen. Die Welt ist kein Chaos, das unserer
alles lenkenden Hand bedürfte. Sie hat uns ohne unser Zutun hervorgebracht,
sie trägt und erhält uns, weil sie als autopoietisches System
ihre tragenden Strukturen selbst erzeugt. Wir müssen nur in einem
engen überschaubaren Rahmen planen, um die dümmsten Fehler zu
vermeiden. Mehr ist nicht möglich. Gewiß überraschen uns
Unglücke und Katastrophen, aber sie geschähen selbst dann, wenn
wir uns zu Sklaven der Sicherheit machten. Die Welt ist viel zu komplex,
um sie in den Griff zu bekommen. Darum ist es sinnlos, es dennoch zu versuchen.
Es ginge auf Kosten der Freude. |
| Moral |
Moral
ist für
die
Freude
da |
Wie das Sprengen von Fesseln
wirkt die Erkenntnis, daß der Mensch frei ist, das Gute zu tun, der
Freude zu dienen und dabei allein seinem Gewissen zu folgen. Der Freude
zu dienen ist ein Akt der Liebe, denn Lieben heißt Freude schenken
und selbst dabei Freude zu haben. Liebe ist die ergiebigste Quelle der
Freude. Ein kluger Denker hat gesagt: "Liebe! Dann tu, was du willst."
Kein Gesetz darf uns daran hindern. Freilich sind Gesetze und Normen nicht
ohne Bedeutung für die Moral. Im Gegenteil: Die Gesetze der Gesellschaft
sind die Bedingungen unserer gesellschaftlichen Existenz eben so wie die
Gesetze der Kausalität die Bedingungen unserer materiellen. Sie bilden
den Rahmen der gegebenen Tatsachen, in dem sich jede sittliche Entscheidung
bewegt. Nur, Normen können das Gewissen nicht binden. Indes: Das Gewissen
kann auch verlangen, die Folgen eines Verstoßes gegen Gesetze auf
sich zu nehmen. |
| Feinde |
Die
Feinde
sind
macht-
los |
Wir dürfen uns freuen wie
die Könige: Die Macht hat immer nur der einzelne. Es ist aussichtslos,
die Verhältnisse zu bessern, wenn sich die Menschen nicht selbst ändern.
Das erhebt jeden von uns zum Souverän, verbaut uns aber auch den bequemen
Weg, die Verantwortung auf Politik, Wirtschaft, Medien und dergleichen
abzuschieben und selbst zu bleiben, wie man ist. Die Mächtigen haben
nur die Macht, die wir ihnen überlassen.
Freilich sind die Möglichkeiten des einzelnen eng begrenzt. Das macht
den Menschen geneigt, sich mit anderen zusammen zu rotten im Aberglauben,
man könne das Gute nur mit Gewalt erzwingen, wobei man Rechtsmacht
mit Gewalt verwechselt. Hinter jeder Gewalttat, die nicht bloß ein
gemeiner krimineller Akt ist, steckt diese Illusion. Doch Gewalt bringt
nie etwas Gutes, ja sie ist das größte Übel überhaupt.
Es wäre so leicht, die Gewalt in der Welt zu überwinden: Man
müßte nur endlich begreifen, daß der Glaube an die Gewalt
ein Aberglaube ist. |
| Freude |
Das Ende
von al-
lem ist
Freude |
Denken und Wahrnehmung des Menschen
sind wie in eine Kapsel eingeschlossen, so daß wir nicht wissen können,
ob außerhalb etwas existiert. Wir müssen uns entscheiden, doch
gleich, was wir wählen, jede Wahl ist ein Glaubensakt. Das heißt:
Auch der strengste Wissenschaftler darf glauben. Und: Unglaube ist keine
wissenschaftliche Tugend. Die theistischen Religionen lehren, daß
ein persönlicher Gott existiere und der Mensch im Kern ein gottähnliches
Individuum sei. Die christliche lehrt zudem, daß Gott sich dem Leiden
als Mensch unterworfen und den Tod überwunden habe - ein Gedanke von
überwältigender Konsequenz. Andererseits gibt es Menschen, die
es für unehrenhaft halten, den Verlockungen der Religion nachzugeben.
Es grenzt schon an Vermessenheit, diesen Stolz lebenslang durchzuhalten.
Wieviel beglückender klingt da die christliche Botschaft: "Ostern
gibt die Gewißheit, daß das Ende von allem nur Freude, unermeßliche
Freude sein kann." |
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