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Warum so viele Details?
Wer bis hierher gelesen hat, mag sich jetzt
fragen: Warum in aller Welt walzt er diese Nebensächlichkeiten in
solch epischer Breite aus? Meine Antwort: Weil es interessant sein könnte,
wie ein ALS-Patient, dem nicht plötzlich, aber unerwartet die Frau
gestorben ist, mit der er 47 Jahre lang verheiratet war, seine einsamen
Tage verbringt, ohne die gute Laune zu verlieren. Oder weil es für
manchen Leidensgenossen wichtig sein könnte zu wissen, dass es mindestens
ein gut funktionierendes Spracheingabeprogramm gibt und wie man damit umgeht.
Oder auch ganz einfach weil das Leben jedes Menschen, würde es nur
in allen Einzelheiten aufgezeichnet, ein Roman ist,. Weil die Wirklichkeit
schöner und aufregender ist als jeder Traum. Man muss nur mit heißem
Herzen hinsehen und hinhören. Der älteste Bruder meiner Frau,
ein pensionierter Offizier, hat mir einmal vorgeworfen, ich sei ein
krasser Egoist, denn ich spreche zu viel von mir. Verständlich, er
war gewohnt, von anderen zu reden, indem er ihnen Befehle erteilte. Wenn
ich von mir rede, verkünde ich keine ewigen, allgemeingültigen
Wahrheiten, sondern tue nur ganz bescheiden meine Meinung und meine besonderen
Verhältnisse kund, aber überlasse es anderen, sie zu beurteilen
oder daraus Schlüsse zu ziehen.
Ich will damit sagen, dass jeder
Mensch exemplarisch ist, ein Beispiel dafür, wie gelebtes Leben ablaufen
kann. Ein ehrlicher Lebensbericht - ich meine jetzt nicht die Memoiren
der Berühmtheiten - ist zwar ästhetisch weniger gestaltet, aber
authentischer als Dichtung und andere Fiktion. Im Geschichtsunterricht
lernen wir alles über die Taten und Untaten der Großen, doch
kein Wort über das tägliche Leben der Kleinen. Ich erinnere mich
an eine Familiengeschichte aus dem 2. Weltkrieg einschließlich der
Vor- und Nachkriegszeit. Das Buch wurde ein Bestseller. Im Fernsehen erschien
eine Serie mit vielen Folgen unter dem Titel "Tadelöser & Wolf"
und der Verfasser namens Kempowski wurde Professor für Zeitgeschichte
in den USA. Wenn meine Mutter früher die vielen Geschichten aus ihrer
Jugendzeit erzählte, konnte ich nicht genug davon bekommen. Als sie
sich nach ihrem Berufsleben als Fotografin zur Ruhe setzte, habe ich sie
wieder und wieder zu überreden versucht, diese Erzählungen aufzuschreiben.
Alle meine Künste waren vergebens. Heute kann ich sie nicht mehr fragen;
ich werde bei Gelegenheit versuchen, die eine oder andere Geschichte hier
und da nach dem Gedächtnis einzuflechten.
Meine Eltern
Ich hatte eine sehr schöne Kindheit.
Meine Mutter war eine örtlich sehr erfolgreiche Porträtfotografin.
Sie hatte in Köln bei Elli Hirschberg, einer Prominentenfotografin
der zwanziger Jahre, gelernt. Ihre Lehrherrin hielt sie für so begabt,
dass sie meine Mutter zu ihrer Partnerin machen wollte. Aber das verhinderte
ihr Vater. Er wollte sie gerne zu Hause behalten, denn sie in sollte seinem
Geschäft, einer Druckerei mit Schreibwarenhandel und Fotoatelier,
arbeiten. Ein verständlicher Wunsch, denn ihre Eltern hatten eine
Familie mit zwölf Kindern zu versorgen. Meine Mutter war aber eine
so starke und emanzipierte Frau, dass sie sich damit nicht abfand, sondern
ihr Elternhaus bei Nacht und Nebel mit ihrem damaligen Verlobten, meinem
Vater, verließ. Der war ein Selfmademan, der nur die Volksschule
besucht hatte, sich aber so weit wie fortgebildet hatte, dass er in der
Kreisverwaltung Bergheim an der Erft als Verwaltungsinspektor arbeiten
konnte. So hatten meine Eltern einen zwar bescheidenen, aber für die
damalige Zeit nicht üblichen Wohlstand erreicht. Ich hatte noch zwei
Brüder und eine Schwester. Ich wuchs sozusagen in der Dunkelkammer
auf, denn wenn ich von der Schule kam, war zuerst Hilfe im Fotoatelier
angesagt, zum Beispiel Hochglanzabzüge auf der Spiegelglasscheibe
trocknen, Fotos mit einem speziellen Schneidepult mit Büttenrand versehen,
oder - besonders unbeliebt - den Salmiakgeist aus der Schale unten im Entwicklungskasten
für Blaupausen in die Flasche zurückgießen und allerlei
andere Tätigkeiten. Erst dann konnte ich zum Spielen verschwinden.
Trotzdem blieb mir immer noch Zeit genug, um mich in kindgerechter Weise
zu entwickeln. In der Schule hatte ich keinerlei Schwierigkeiten, denn
ich war ein Ausbund von Neugierde. Wenn zu Anfang des Schuljahres die neuen
Bücher kamen, las ich sie durch, weil mich alles, was darin stand,
interessierte. Mathematik- und Physikbücher waren für mich die
reinsten Handbücher für Zauberlehrlinge. Auch Erdkunde und Biologie
waren bei mir sehr beliebt. Englisch und Latein lernte ich gern, weil ich
so mit anderen sprechen konnte, ohne dass die Uneingeweihten verstanden,
wovon die Rede war. Wegen dieser Neugierde hatte ich es in der Schule leicht.
Ich brauchte mich nur auf das zu konzentrieren, was ich noch nicht verstanden
hatte, und stellte dementsprechend kluge Fragen, was mir die Lehrer honorierten,
indem sie mir gute Noten gaben. Trotzdem war ich nicht unterfordert, denn
ich nutzte die Zeit, um die ich den Mitschülern voraus war, um noch
die letzten verbliebenen Fragen zu klären.
Das Ende des Krieges
Vor dem Jungvolk und der Hitlerjugend drückte
ich mich, so gut ich immer konnte. Es war nicht meine Sache, in Reih' und
Glied zu stehen und nach dem Kommando der Wichtigtuer vor der Front zu
hampeln. Ehrgeiz hatte ich nicht im Mindesten. Zu guter letzt wurde ich
gegen meinen Willen dann doch noch zum Kameradschaftsführer, der untersten
Charge, gemacht. Als ich aber 1943 mit 15Jahren Luftwaffenhelfer werden
musste, konnte ich mich dem Stehen in Reih' und Glied nicht mehr entziehen.
Zum Glück waren unsere Flakstellungen immer in der Nähe meines
Elternhauses, so dass ich manches Wochenende zu Hause verbringen konnte.
Vor Bomben und Feuerüberfällen blieb ich verschont; Immerhin
wurde einer von uns getötet und ein anderer schwer verwundet. Ende
1944 musste ich für drei Monate zum Reichsarbeitsdienst und im März
1945 noch zum Militär. Ich meldete mich als Reserveoffiziersbewerber,
weil ich begriffen hatte, dass der Mensch im Krieg erst beim Offizier anfängt.
Doch während meiner Ausbildung neigte sich der Krieg dem Ende zu.
Auflösungserscheinungen, wie ich sie schon bei den Luftwaffenhelfern
genutzt hatte, um zu verschwinden, zeigten sich. Als sich unsere Einheit
auflöste, machte ich mich mit einem Kameraden aus dem Staub, nicht
ohne uns zuvor mit einem mächtigen Braten aus der Küche und mit
Pistolen und Munition aus der Waffenkammer zu versorgen. Wir hatten die
mitgebrachte Zivilkleidung noch im Spind hängen; sie nahmen wir natürlich
mit. Unsere Einheit lag in der Barbarakaserne in Hamm am Nordrand des Ruhrkessels.
Wir machten uns in Richtung Süden davon, weil sich meine Eltern in
dieser Zeit in Derscheid bei Much im Siegkreis aufhielten, wohin sie vor
der nahenden Westfront geflüchtet waren. Am Abend des ersten Tages
stießen wir auf einen Bauernhof, in dem schon eine Anzahl versprengter
Soldaten einquartiert war. Am nächsten Morgen zogen wir die Zivilkleidung
an und versenkten die Uniform, beschwert mit einem Stein, in einem Teich
in der Nähe von Hemmerden. Dann gingen wir weiter. Nach zwei Stunden
hielten wir einen Militär-Lkw an und fragten, ob wir mitfahren dürften.
"Na klar," sagten die Schlitzohren, "springt nur hinten auf!". Kaum waren
wir aufgesprungen, fuhr der Fahrer los. Wir schlugen die Plane zurück
und sahen mit Schrecken, dass wir auf einem Munitionslaster gelandet waren
- und in der Luft tummelten sich die Tiefflieger. In Fröndenberg musste
der Laster einen Moment halten. Wir sprangen schleunigst ab und gingen
dann doch lieber zu Fuß weiter. Abends waren wir in Gummersbach.
Wir schliefen im Saal einer Gastwirtschaft jeder auf drei nebeneinander
stehenden Stühlen. Dort erfuhren wir, dass noch ein Eisenbahnzug von
Gummersbach nach Bergneustadt fahre, und beschlossen, uns dieser unerwarteten
Fahrgelegenheit zu bedienen. Als wir in der Frühe zum Bahnhof gegen,
begegneten uns die Kameradenklaus von der Feldgendarmerie. Ich hatte kurze
Hosen an und meine Schultasche unter dem Arm. Der Atem stockte uns, doch
wir behielten die Nerven und spielten die Schüler, die zur Schule
marschierten. Als wir an den Feldgendarmen vorbeigingen, drückte ich
die Aktentasche an mich: Wir grüßten mit erhobenem Arm und einem
zackigen Heil Hitler. Das war's. Die Kameradenklaue schöpften keinen
Verdacht und ließen uns ziehen. Kurz vor Much trennten sich unsere
Wege. Manfred Camminneci zog nach Dattenfeld und ich weiter gen Much.
Am 6. April, zwei Tage vor dem Geburtstag
meiner Mutter und kurz vor Ostern, kam ich bei meinen Eltern an. Doch auch
da hatte ich keine Ruhe. Schon am nächsten Nachmittag erschienen zwei
Feldgendarmen und suchten nach versprengten Militärangehörigen,
aber auch nach jungen Leuten, die zum Werwolf geholt werden sollten. Ich
hatte natürlich keinen Wehrpass, denn den hatte ich am Kasernentor
abgeben müssen. So konnte ich meinen Zivilstatus nicht mehr nachweisen.
Aber ich hatte noch meinen alten Luftwaffenhelferausweis, in dem leider
die Stempel für die letzten beiden Quartale fehlten. Da ich schon
immer groß war im Erfinden von Ausreden, konnte ich die Leute davon
überzeugen, dass ich von der Luftwaffeneinheit weggeschickt worden
sei, weil sie sich aufgelöst habe. Dies erschien ihnen plausibel.
Sie erteilten mir den Auftrag, mich noch am gleichen Abend im Hof der Schule
in Much, die als Sammelstelle für junge und alte Werwolfaspiranten
diente, zu stellen. Ich hatte zwar keine große Lust, dort hinzugehen
aber mein Vater, der als Beamter große Angst vor Bürokraten,
besonders vor den militärischen, hatte, beschwor mich hinzugehen und
meine "Pflicht" zu tun. Mit großem Widerstreben fuhr ich abends mit
dem Fahrrad, mit dem ich bei der Flucht in weitem Abstand hinter dem Auto
meiner Eltern hergefahren war, zur Sammelstelle. Ich betrachtete den Laden
und merkte bald, dass dort ein sehr vernünftig scheinender Lehrer
das Kommando hatte. Ich machte ihm klar, dass ich noch mal eben nach Hause
fahren und meine Luftwaffenhelferuniform holen wollte, die meine Eltern
mitgenommen hätten (ich wusste natürlich nicht, ob sie überhaupt
noch da war), um am nächsten Morgen pünktlich wieder zu erscheinen.
Ich hatte in Wahrheit nicht die geringste Absicht, mich hier noch einmal
blicken zu lassen. Ich weiß nicht, was sich der Lehrer in jenem Augenblick
gedacht hat, aber er ließ mich ziehen. Als ich wieder nach Hause
kam, war mein armer Vater außer sich vor Besorgnis und
achtete darauf, dass ich am nächsten Morgen in der Frühe wieder
nach Much marschierte. Nun liegt Much in einem Talkessel. Ich kam von Derscheid
her, einem kleinen Bauernnest in der Nähe. Als ich am Rand des Tals
auf der Straße stand und hinunter blickte, sagte ich laut zu mir:
"Nun hast du fünf Jahre Krieg ohne den kleinsten Kratzer überstanden,
aber wenn du jetzt da unten hingehst, kommst du nicht mehr lebend heraus."
Mich zuguterletzt noch für Hitler verheizen zu lassen, das wollte
ich nun wirklich nicht, dann ließ ich mich lieber erschießen.
Doch so weit war es noch lange nicht. Also drehte ich ab und schlenderte
auf weiten Umwegen, nochmals alle Chancen und Risiken erwägend, langsam
und mit vielen Rastpausen nach Hause. Ich kam dort am späten Nachmittag
an. Endlich hatte mein Vater ein Einsehen. Er merkte ja, dass ich durch
nichts zu bewegen war, nochmals in das Kriegsgeschehen einzugreifen. Schließlich:
Wer von uns beiden hatte denn die größere Fronterfahrung?
Unterdessen kam die Front immer näher.
Man hörte es an den Detonationen. Nach einigen Tagen hatte ich das
Gefühl, dass die Amerikaner jeden Augenblick erscheinen könnten.
Ein Nachbar des Bauern, bei dem wir einquartiert waren, und ich beschlossen,
auf die andere Seite der Agger nach Schönenberg zu gehen, um dort
den Lauf der Dinge abzuwarten. Wir vermuteten, dass uns das Überqueren
des Flusslaufs einen besseren Überblick über die Lage verschaffen
könnte. Zuvor mussten wir über einen Höhenzug laufen. Als
wir die Höhe passierten, müssen uns wohl Amerikaner oder vielleicht
auch Deutsche gesehen haben. Wir hörten Schrapnells in den Wipfeln
der Bäume krepieren und rannten davon so schnell wir konnten.. Doch
alles ging gut; wir bekamen nichts ab. Auf der anderen Seite der Höhe
stiegen wir ins Aggertal hinunter und gingen über eine Brücke.
Eine halbe Stunde später hörten wir eine Explosion. Ein Irrer
unter den Deutschen hatte die Brücke in die Luft gesprengt, weil er
glaubte, dies könne die Amerikaner aufhalten. Wir verbrachten die
Nacht bei Bekannten meines Begleiters in Schönenberg.
Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass
die Deutschen abgezogen waren. Man hatte schnell eine Notbrücke aus
Brettern und Baumstämmen gezimmert. Als sie fertig war, gingen wir
zurück nach Derscheid, wo meine Familie ihr Quartier hatte. Am nächsten
Tag stand ich auf dem Dorfplatz und sah, wie ein Trüppchen von drei
Amerikanern mit vorgehaltenem Gewehr und offensichtlich großer Angst
in das Dorf, das aus vielleicht sechs oder sieben Bauernhöfen bestand,
eindringen wollte, um es zu erobern. Ich war froh, dass die Amerikaner
endlich kamen, weil ich erst jetzt vor den deutschen Feldgendarmen sicher
sein konnte. Erfreut ging ich langsam auf sie zu. Sie sahen, dass ich keinerlei
Waffen hatte und ließen mich näher kommen. Ich hob die Hände
hoch (ich glaube, ich hatte sogar ein weißes Taschentuch in der rechten
Hand) und rief ihnen zu: "Glad to see you. You are welcome!" Den GIs war
die Sache aber nicht geheuer, wie ich an ihrem etwas gequälten Grinsen
zu erkennen glaubte. Ich machte ihnen klar, dass hier keiner Lust hätte,
sich ihnen in den Weg zu stellen, und wir mit ihrem Auftauchen eigentlich
ganz zufrieden wären. Dann nahmen sie mich in ihre Mitte und gingen
weiter. So konnten sie einigermaßen sicher sein, dass nicht auf sie
geschossen würde. Nach und nach kamen auch die Bewohner aus den Häusern:
Die friedliche Übergabe Derscheids war perfekt.
Die Spracheingabe mit
ViaVoice
Meine Versuche mit der Spracheingabe haben
ihre kleine Geschichte. Zunächst benutzte ich das Headset, das mit
der Software geliefert wurde. Das war vor einem halben Jahr. Eigentlich
war ich angenehm überrascht, wie gut das Programm funktionierte. Nur
mit dem Headset hatte ich meine Schwierigkeiten. Wegen meiner Schwäche
beim Arbeiten über Kopf dauerte es immer ein paar Minuten, bis das
Set an der richtigen Stelle saß. Außerdem stellte es sich beim
Diktieren heraus, dass das Mikrofon nicht richtig platziert war. Wenn die
Arbeit dann nach zehn Minuten endlich richtig beginnen konnte, klingelte
es an der Haustür oder ich musste zum Telefon, weil sich das schnurlose
Handgerät mal wieder nicht mitgenommen hatte. Oder ich benötigte
Unterlagen und andere Dinge, die ich nicht greifbar hatte, oder ich hatte
persönliche Bedürfnisse wie etwa Essen, Trinken und deren Folgen.
Aber ich war an den Computer angebunden. Also musste ich meiner Rüstung
ab-und beiseite legen, tun, was zu tun war, und anschließend wieder
zehn Minuten mit dem Anlegen der Rüstung verplempern. Schnell wurde
mir klar, dass nur Mikrofon und Lautsprecher abhelfen könnten. Leider
hatte ich in den Monaten Januar bis Mai 2001 wegen der Krebserkrankung
und des Todes meiner Frau sehr wenig Zeit. Dann schickte ich eine E-mail
an IBM und fragte, ob sie mir ein bestimmtes Mikrofon empfehlen könnten.
Das könnten sie nicht, schrieben sie zurück, aber grundsätzlich
könne man jedes handelsübliche Mikrofon für Spracheingabe
mit Nebengeräuschdämpfung verwenden. Darauf wandte ich mich an
einen örtlichen Händler. Die Mikrofone, die er mir vorschlug,
schienen mir leider nicht als sonderlich geeignet. Kurz danach wurde ich
im Internet fündig und bestellte bei Telex das Tischmikrofon M-60
für DM 159,00 zuzüglich Versandkosten. Dieses Mikrofon ist speziell
für Spracheingabe konstruiert in der ausgesprochenen Absicht, den
Anwender von seinem PC loszubinden ("untether"). Als Lautsprecher nahm
ich einfach die, welche ich schon hatte. Frohgemut begab ich mich ans Diktieren,
doch was heraus kam, spottete jeder Beschreibung - eine zirkusreife Lachnummer
sondergleichen. Rudolf, Sohn eines vor zwei Jahren verstorbenen Freundes,
stand hinter mir. Er hatte Mikrofon und Lautsprecher eingesteckt und hilft
mir auch sonst sehr viel. Neugierig wollte er zusehen, was wohl die Frucht
seiner Bemühungen sein werde. Er bekam er einen Lachanfall und wusste
sich kaum zu halten. Er machte sich davon im Gefühl, dass ich wohl
einen absoluten Flop gelandet hätte.
Schnell wurde mir klar, dass das neue Mikrofon
eine ganz andere Signalcharakteristik hat als das alte. Ich musste das
Programm also von Grund auf neu trainieren, das heißt ich musste
eine neue Sprachmusterdatei anlegen, 256 Mustersätze aufsprechen und
die sprechbaren Befehle trainieren. Das tat ich höchst wiederwillig.
Beim Aufsprechen der Mustersätze zeigte sich, dass ich bedeutend näher
an das Mikrofon heran musste als ich konnte. Wegen meiner Nackenschwäche
muss ich mich weit genug zurücklehnen, um den Kopf aufrecht halten
zu können. Dadurch bin ich aber vom Tischmikrofon, wenn es neben den
Computer steht, zu weit entfernt. Nach vielem Hin und Her fand ich die
Lösung: Ich stellte das Mikrofon seitwärts von mir auf ein fahrbares
Beistelltischchen. Eine Schwierigkeit bestand darin, dass ich im Rollstuhl
sitze. Das Beistelltischchen kann ich nicht nahe genug heran schieben,
weil Radkranz und andere Anbauteile im Wege stehen. Also nahm ich ein dünnes
Brett, legte es auf den Beistelltisch, schob es weit genug über die
mir zugewandte Kante der Tischplatte, beschwerte das Brett auf der von
mir abgewandten Seite mit einem Buch und stellte das (sehr leichte) Mikrofon
auf den Überhang, der die störenden Teile des Rollstuhls überbrückt.
Der Erfolg der Aktion war verblüffend: Die sprechbaren Befehle gehorchten
mir aufs Wort, was sie bislang durchaus nicht immer taten, und die Qualität
der Wiedergabe im Text war besser denn je. Angemerkt sei noch, dass ich
gestern bei ausgedehnten Tests in den Konfigurationsdateien von ViaVoice
herumsuchte und dabei im Programm den Hinweis fand, welche Mikrofone mit
ViaVoice kompatibel sind. Das hätte ich wissen sollen, denn dann hätte
ich IBM nicht gefragt. Mein Telex M-60 war nicht dabei., vielleicht weil
es ein ganz neues Modell ist. Jedenfalls bin ich froh, dass ich es habe.
Man weiß ja nie, wozu etwas gut ist. Nun habe ich also endlich meine
optimale Ausrüstung und kann heute, am Pfingstsonntag 2001, endlich
mit dem beginnen, was ich schon so lange tun wollte: schreiben.
Unser Garten
Unseren Garten muss man sich so vorstellen:
Das Haus liegt auf der Ostseite der nord-südlich verlaufenden Schloßstraße.
Davor liegt ein sieben Meter breiter Vorgarten und dahinter eine Gartenfläche
von etwa fünfzehn Meter Breite und zwanzig Meter Tiefe. Die Terrasse
liegt an der Südostecke des Hauses. Sie
ist zum Garten hin sanft abgeböscht, so dass man von der Terrasse
ohne Treppe in die tieferen Teile des Gartens gelangt. Die Mitte des Gartens
nimmt eine Rasenfläche ein. Rund um den Rasen ist alles von Bäumen
und Sträuchern zugewachsen. Man darf sich den Garten nicht als ein
gepflegtes, abgezirkeltes Kunstwerk vorstellen, sondern als ein dichtes
Gestrüpp von unterschiedlichsten Sträuchern und Bäumen.
Als ich den Garten anlegte, fuhr ich mit den Gärtner zur Baumschule,
suchte die Bäume und Sträucher aus, die mir gefielen, und brachte
die Fuhre zusammen mit dem Meister seines Fachs zu mir nach Hause. Dort
lud der Gärtner die Gewächse ab und pflanzte sie schlicht und
einfach der Reihe nach, wie sie kamen, rund um die Rasenfläche ohne
darauf zu achten, ob sie zusammen passten. Das war vor etwa 35 Jahren.
Inzwischen hat sich der Pflanzenbestand zu einem dichten Gebüsch entwickelt,
so daß der Garten wie die Wiese einer Lichtung im Wald anmutet. Es
sind noch etliche Pflanzen dazu gekommen, die sich mit Hilfe der Vögel
oder des Windes von selbst angesiedelt haben und sich an ihren Platz offensichtlich
sehr wohl fühlen.. Ich habe immer alles wachsen lassen und nur weggeschnitten,
was störte. So ist etwas entstanden, was für jemand, der für
durchgestylte Anlagen schwärmt, ein Gräuel bedeutet, aber für
einen wahren Naturliebhaber wie mich eine Augenweide. Übrigens sieht
es ähnlich wie hinter dem Haus auch im Vorgarten aus. Jedenfalls findet
jeder Besucher - zumindest die meisten - beide Gärten sehr schön.
Vielleicht auch nur aus Höflichkeit, und doch:. Zu meiner größten
Erstaunen geschah es noch im letzten Jahr, dass sich eine vorübergehende
Dame an meine Frau, die im Vorgarten jätete, wandte und sagte: "Was
haben Sie doch für einen schönen Vorgarten!". Inzwischen hat
die Nachbarschaft meine Eigenheiten akzeptiert, wenn nicht gar ein wenig
nachgeahmt.
Ich
hatte nie Zeit, mich allzu sehr um den Garten zu kümmern. Nach
der Arbeit war ich zu müde und wenn ich schon im Garten war, dann
wollte ich ihn auch genießen und nicht bearbeiten. Das Schöne
an der Natur ist ja, dass sie sich selbst hilft und gestaltet. Das ist
nichts für einen, der dem Zufall keine Chance lässt, der von
jedem Pflänzchen verlangt, dass es exakt so wächst, wie er sich
das vorstellt; und am liebsten alles und jedes vierkant zurecht stutzen
möchte. Ich meine, man muss die Dinge nehmen wie sie kommen und sehen,
dass man das Beste daraus macht. Jedenfalls muss man sehr viel Zeit haben
oder auch viel Geld, um einen Gärtner zu bezahlen. Bei
mir steht alles durcheinander: Rhododendron, Flieder, Sommer- und Winterschneeball,
falscher Jasmin, Japanische Zier- und andere Kirschen, Haselsträucher,
chinesischer Wacholder, Thujen, Ilex, Tannen, Fichten und Kiefern, Kirschlorbeeren
aller Art, Maiglöckchen, Efeu, ja, und vor allem, in der Mitte der
Südseite am Rande des Grundstücks eine 20 Meter hohe Birke, die
zur Zeit der Sommersonnenwende einen zehn Meter langen Schatten wirft.
Auch sie gehört zu den Pflanzen, die sich ihren Standort ohne unser
Zutun gewählt haben. Wenn die Sonne scheint, ist der lichte Schatten
dieser Birke mein Lieblingsplatz. Ich sehe, wie die Sonne durch Blätter
und Blüten scheint und sie hell vor dem schattigen Hintergrund leuchten
lässt, wie die blanke Seite der Blätter glitzert, wie die Eichhörnchen
spielen und sich über die Haselnüsse hermachen, wie die Schwalben
über den Himmel huschen. Ich höre, wie die Amseln ihre Lieder
singen. Es ist so schön zu sehen, wie abends ein Himmelslämpchen
nach dem anderen angeknipst wird, während sich die Konturen des Hauses
scharf gegen den Abendhimmel abheben, oder wie nach St. Johannis die Glühwürmchen
schwärmen.
Müsste ich meine letzten Tage in
einem Alters- oder Pflegeheim zubringen, wäre es für mich wohl
das größte Leid, nicht mehr in meinem Garten sitzen zu dürfen.
Hier habe ich viele der schönsten Stunden meines Lebens verbracht.
Wenn ich glücklich war, so war ich es hier. Ich habe mich der
ganzen Welt umgesehen, alle Erdteile bereist und alle sieben Weltmeere
befahren, und kann sagen: Es gibt es gibt nur wenige unter den Plätzen,
die ich erlebt habe, die sich mit dem messen können, was sich mir
hier nicht weit von unserer Haustür bietet. Ich erinnere mich an Tage
auf den Malediven, als ich unter Palmen und tropischen Gewächsen
am schneeweißen Strand saß, über das von gelb über
türkis ins blau spielende Wasser der Lagune blickte und unter dem
Horizont den indischem Ozean mächtig gegen das Korallenriff anbranden
hörte. Das lässt sich durchaus mit meinen glücklichen Stunden
im Garten vergleichen. Es ist dieselbe Sonne, es sind dieselben Wolken
und dieselben Sterne (wenn man von den Zirkumpolarsternen des Südens
absieht), es ist zwar nicht so heiß, aber dafür ist die Temperatur
angenehmer. Übrigens
steht die Mittagssonne in den Tropen zur Zeit unserer Sommersonnenwende
ebenso hoch wie in unseren Breiten. Zudem brauche ich nicht zweimal neun
Stunden Flug mit Anreise zum Flughafen und Transfer zum Ziel über
mich ergehen zu lassen: es genügt, die Terrassentür aufzumachen
und hinaus zu gehen. Im Kühlschrank stehen die Getränke und wenn
man Hunger hat, findet man immer etwas zu essen. Man mag einwenden, der
Mensch finde seine Heimat immer am schönsten, sei sie auch noch so
öde. Doch ich glaube, dass ich mir hierzu ein einigermaßen objektives
Urteil anmaßen darf. Ich gebe ja zu, dass es etwa auf dem Rangiroa-Atoll,
der Insel Grenada oder sonstwo in der Karibik und etwa an manchen Stellen
Kaliforniens, zum Beispiel an der Pazifikküste am Big Sur oder bei
Carmel, für manchen Geschmack noch etwas schöner sein mag, nur,
es ist etwas anderes, ob man diese Orte besucht oder ob man an ihnen leben
muss. Dabei spielt der Heimvorteil dann doch eine entscheidende Rolle.
Glauben und Wissenschaft
Wie man aus meiner Website www.MutzurFreude.de
nachprüfen kann, habe ich mich im Lauf meines Lebens über fast
alle Wissenschaften kundig gemacht. Dabei habe ich festgestellt, dass die
Wissenschaft mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Jede neue Entdeckung
zieht neue Probleme nach sich. Selbst die Physik, die wähnt, der vollständigen
Erforschung der Welt nahe zu sein und die Weltformel schon im Visier zu
haben, ist davor nicht gefeit. Relativitätstheorien, Quantenmechanik,
Quantenfeldtheorie, Stringtheorie - überall dort zeigt sich, wie sich
das Ende der Fahnenstange immer weiter hinaus schiebt. So braucht die Stringtheorie
sechs zusätzliche Raumdimensionen, um ihre mathematischen Formeln
mit der Realität in Einklang zu bringen. Neuerdings werden aus den
Strings Membranen und die sogenannte String-M-Theorie benötigt sogar
sieben zusätzliche Raumdimensionen. Und selbst dann, wenn es gelänge,
die physikalische Welt vollständig zu beschreiben, so ist damit immer
noch nicht die Frage beantwortet, was denn da schwingt und Strings oder
Membranen bildet. Ludwig Wittgenstein sagt in seinem Tractatus: "Nicht
wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern dass sie ist" und gerade er
ist es, auf den sich der Positivismus gerne beruft.
Oder nehmen wir die Kosmologie. Es gibt
namhafte Wissenschaftler, die nicht ausschließen mögen, dass
es auch andere wenn nicht gar unendlich viele Universen gibt, die vielleicht
durch sogenannte Wurmlöcher untereinander verbunden sind. Oder nehmen
wir uns die Frage vor, woher das Leben in die Materie gekommen ist oder
das Bewusstsein oder gar der Geist. Es ist durchaus möglich, dass
Proteine durch Zufall entstanden sind. Dass aber eine lebende Zelle durch
Zufall entstanden sein könnte, hat eine derart geringe Wahrscheinlichkeit,
dass 100 Milliarden Jahre nicht ausreichen, um alle Möglichkeiten
durchzuprobieren. Es müsste denn eine wundersame Kette von unglaublich
vielen äußerst glücklichen Zufällen vorliegen. Die
Theorie des Panspermismus behauptet, das Leben sei aus dem Weltall gekommen.
Der Philosoph McGill meint, die Informationen, auf Grund derer die Materie
das Bewusstsein und möglicherweise auch den Geist hervorbringt, stecke
in den Genen, während wir mit unserem Wahrnehmungsvermögen zwar
das Bewusstsein introspektiv erforschen, aber nichts über seine Entstehung
und seine Strukturen wissen könnten. Strukturen des Bewusstseins,
wie sie in der Psychologie bekannt sind, kennt man nur aus der Introspektion,
nicht durch Erforschung ihrer Entstehungsursachen. Wer will ausschließen,
dass diese Informationen, die kaum durch Zufall entstanden sein können,
nicht von extraterrestrischen Intelligenzen stammen, wobei es keinesfalls
sicher ist, dass diese in unserem Universum beheimatet sind. Es sieht ganz
danach aus, als seien unsere Wahrnehmungs- und Messmöglichkeiten auf
einen winzigen Teil der Wirklichkeit beschränkt. Möglicherweise
hat uns die Evolution so dumm gehalten, wie wir sind, weil es uns eine
Selektionsvorteil bringt. Wüssten wir zu viel über Dinge, die
uns normalerweise verborgen sind, könnten wir uns wahrscheinlich nicht
mehr in dieser materiellen Welt behaupten. Es erginge uns wie zum Beispiel
einem Drogensüchtigen, der nicht mehr mit dem gewöhnlichen Leben
zurechtkommt, weil er ständig in einer fremden Gedankenwelt lebt.
Jedenfalls ist die Welt wunderbarer und
weiter, als wir mit allen Teleskopen und Mikroskopen sehen können.
Das Jenseits existiert nur in unserem Denken als das Land hinter unseren
Grenzen. Es gibt nur eine Welt und wir leben mitten darin.
Ich bin der letzte, der nicht ungeheure
Hochachtung vor den Leistungen der Wissenschaft empfände. Aber diese
Leistungen sind alle auf den materiellen Bereich beschränkt, weil
nur der in unserem Wahrnehmunghorizont liegt. Es gibt offenbar Beweise,
dass Drogen das menschliche Bewusstsein erweitern können und dabei
helfen, weitere Bereiche der Welt zu erschließen. In diese Richtung
weist auch das erstaunliche Wissen der Schamanen über die Heilkräfte
der Natur oder die hoch wirksamen psychotechnischen Praktiken buddhistischer
und hinduistischer Kulturen. Aber die heutige Naturwissenschaft ist nicht
in der Lage, über diese und ähnliche Dinge Aussagen zu machen,
weil sie nicht in ihr Erklärungsschema passen. Doch dann hat
man auch kein Recht zu behaupten, weil man keine Erklärung habe, wäre
alles Unerklärliche Erzeugnis blühender Phantasie. Das ist so,
als ob ein Blinder sagte, weil er den Gegenstand vor ihm nicht sähe,
existiere er nicht. Es ist das gute Recht, ja die höchste Pflicht
der Wissenschaft, Erklärungen zu finden und sich nicht damit zufrieden
zu geben, fehlende Erklärungen etwa durch Hinweis auf das Wirken Gottes
oder anderer Geistwesen als Deus ex machina zu ersetzen. Seltsamerweise
lässt die Wissenschaft aber den Zufall gelten. Wenn man es recht betrachtet,
behandelt die Wissenschaft den Zufall nicht anders als einen Gott, der
alles vermag und alles erklärt.
Alles in allem halte ich den naiven, unaufgeklärten
Wissenschaftsglauben, der nur existieren lässt, was wissenschaftlich
erklärbar oder nachweisbar ist, für einen Religionsersatz von
grotesker, ja kindischer Naivität. Überspitzt gesagt: Die Aufklärung
bedarf dringend der Aufklärung. Obwohl ich mein Leben lang danach
gesucht habe, konnte ich bis auf den heutigen Tag nichts finden, was meinen
"frommen Kinderglauben" im mindesten hätte erschüttern können.
Glauben ist nur durch Glauben zu ersetzen. Was die Wissenschaft uns dagegen
zu glauben zumutet, ist mit Verlaub eine Unverschämtheit. Es sollte
sich deshalb niemand mit seiner wissenschaftlichen Aufgeklärtheit
brüsten, denn der Vorwurf der Unaufgeklärtheit fällt postwendend
auf ihn zurück.
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